Ein ganz schlechter Film

Eine meiner Filmthesen lautet: Der deutsche Kinofilm besteht fast ausschließlich aus mehr oder weniger gelungenen Komödien, wenn man sich dann aber doch mal an ein anderes Genre wagt, geht das so gut wie immer in die Hose. Natürlich gibt es Ausnahmen, aber leider wurde meine Behauptung mal wieder “eindrucksvoll” bestätigt, und zwar mit dem Film “Der Rote Baron“. Da geht man mal wieder seit langem ins Kino und um es vorweg zu nehmen: “Der Rote Baron” ist einer der schlechtesten Filme, die ich je im Kino gesehen habe (es gibt schon viel schlechtere Filme, aber dafür habe ich kein Geld an der Kinokasse geopfert). Warum?
Warum habe ich mir den Film überhaupt angeschaut?
Zum einen, weil mich die Thematik (1. Weltkrieg) interessiert und zum anderen, weil der Trailer gar nicht mal so schlecht war (Mist, wieder mal drauf reingefallen…)
Warum ist der Film so schlecht?
Bevor ich den Film “in der Luft zerreiße” erstmal grob die Handlung, doch schon bei der Story bin ich mitten drin im Kritisieren, denn man stellt sich dauernd die Frage: Um was geht es eigentlich in dem Film?
Die Grundidee ist noch einigermaßen klar, die ist auch nichts besonderes, sondern wurde von Filmen wie Titanic oder Pearl Harbour geklaut kopiert inspiriert: Ein reales, historisches Ereignis wird mit einer fiktiven Liebesgeschichte verbunden. So weit so gut, es hapert aber leider an der Umsetzung – und zwar gewaltig.
Was will der Film eigentlich sein:

Ein Liebesfilm?
Wohl eher nicht, dafür ist die Liebesgeschichte viel zu oberflächlich und unglaubwürdig.

Ein (Anti-)Kriegsfilm?
Dafür gibt’s zu wenig “Kriegsszenen”, auch wird der Schrecken des Krieges selten und dann nur oberflächlich dargestellt. Manfred von Richthofen, übrigens von Matthias Schweighöfer gespielt, durchlebt zwar einen Wandel und “hinterfragt” letztendlich den “Sinn des Krieges”, aber das geschiet, ja richtig geraten – nur oberflächlich. Es gibt wohl kein besseres Wort, welches den Film “Der Rote Baron” treffender beschreiben könnte als “oberflächlich”: Alles wird irgendwie nur angekratzt aber nicht richtig zu Ende geführt.

Aber vielleicht will der Film ja ein Actionfilm sein.
Blockbusterkino nach dem Motto “Pfeif’ auf die Handlung, der Film ist dafür unterhaltsam und spannend”.
Nein, ein Actionfilm ist “Der Rote Baron” nun wirklich nicht. Spannung kommt so gut wie nie auf.
Bezeichnend: Der Abschuss bzw. Tod der Hauptfigur “Manfred von Richthofens” wird nicht mal dargestellt, dafür wir dem Zuschauer dann lang und breit gezeigt, wie ein Auto auf einer Wiese rumtuckert… Aber halt, es gibt auch was Positves zu berichten: Die Flugszenen sind aus technischer Sicht wirklich sehr gut gemacht und die am Computer erstellten Flugzeuge wirken durchaus realistisch. Aber gute Technik hin oder her: Wenn die “Kampf-Choreographie” nicht stimmt, nützt das alles nicht, denn Spannung kommt auch bei den Luftkämpfen nicht auf. Es wird nur wild hin und her “gezappt”, wer wen warum gerade verfolgt oder abschießt ist dadurch sehr oft unklar…

Okay, aber wie wär’s dann mit einer Art “Historienfilm”?
Nein, auch gaaaaanz kalt, eher im Gegenteil, denn hier schießt der Film den Vogel ab: Klar, der Film ist in ein historisches Ereignis eingebettet und erklärt einige der vorkommenden Personen der Zeitgeschichte im Abspann. Aber eins muss man mir mal erklären: Wieso taucht im Film ein Pilot namens “Döhring” auf und wieso wird im Abspann z.B. die Biographie vom Flieger Udet nicht eingeblendet? Meine Vermutung: Richthofens Fliegerstaffel wird vor allem am Schluß des Filmes sehr positiv dargestellt und das doch eigentlich alle gute Leute sind. Da passt es dann nicht ins Bild, dass in dieser Staffel aber u. A. auch einer der späteren Nazigrößen, Hermann Döhr ähh Göhring, mitgefolgen ist. Diese Tatsache wird dann eben einfach verschwiegen bzw. der Name geändert. Aber dann kann man sich auch diese Pseudodokumentation im Abspann schenken.

Man kann den Film wie gesagt absolut nirgendwo einordnen, ein guter Genremix ist er aber leider auch nicht geworden. Während die technische Umsetzung noch durchaus brauchbar ist, ist der Rest ein Griff ins Klo, denn es kam leider nur ein oberflächlicher, langweiliger und mit dämlichen Dialogen (Richthofen zur Krankenschwester: “Du bist mein größter Sieg”) durchzogener Film dabei raus.
Wen das Thema “erster Weltkrieg” interessiert: Der Film “Manfred von Richthofen – Der rote Baron” aus dem Jahre 1971 ist durchaus zu empfehlen und auch der aktuelle Film “Flyboys” ist zumindest um Längen besser als dieser Film.
Schade, wieder mal hat es ein deutscher Film geschafft, mich zu enttäuschen. Filme wie “23” oder “Das Experiment” bleiben leider weiterhin die Ausnahme…

2 thoughts on “Ein ganz schlechter Film

  1. Haha, geile Stellungnahme. Ich fand den Trailer eigentlich auch recht ansprechend.

    Gut dass ich diesen Blog-Eintrag gelesen hab. 😀

    “23” war wirklich einer der wenigen richtig guten deutschen Filme. Hat ja auch nen Filmpreis bekommen. Leider wurde da auch einiges von der Wahrheit weggelassen/verdreht, aber das kann man verschmerzen.

  2. Sehr richtig. Dieses Machwerk ist ein einziges Fiasko.Inszenierung, Story, “Message des Films” – Einfach Alles unfassbar Schlecht. Ich glaube ich habe mich lange nicht mehr so über einen Film in Rage geschrieben, wie in der Zeit in der ich meine Rezension zu “Der Rote Baron” verfasst habe

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