Dämlicher Aktionismus

Mittlerweile sind ein paar Wochen seit dem schrecklichen Amoklauf vergangen. Eigentlich wollte ich da schon einen Blogbeitrag schreiben, dann wieder nicht, jetzt aber doch. Eigentlich war klar, dass so eine schlimme Tat mal wieder für blinden Aktionismus herhalten muss. Das Übel an der Wurzel packen, weitreichende Verschärfungen beim Waffenrecht bzw. Änderungen bei den Schützenvereinen? Nein, natürlich nicht. Das geht ja, nicht, denn das sind ja alles viele Wählerstimmen. Und dass ein Amokläufer den Umgang mit einer Waffe und das Schießen im Schützenverein und nicht z.B. am Computer gelernt hat interessiert sowieso keinen….
Es wurde also wieder mal, wie so oft, auf Computerspielen herumgehackt, gegen die Waffenlobby selbstverständlich nicht. Eigentlich schon ein schlechter Witz, das man mit dem Verbot von Computerspielen Amokläufe verhindern will, es kommt aber noch schlimmer: Jetzt wird ein Gesetzentwurf über das Verbot von Paintball diskutiert. Man mag Paintball gut oder schlecht finden, interessant oder geschmacklos (ich hab’s einmal gespielt und finde es jetzt nicht so toll), ABER: Wo ist denn hier der Zusammenhang zu Amokläufen? Da muss man doch nur mal den gesunden Menschenverstand benutzen und sich ein paar Fakten durch den Kopf gehen lassen:

  • Wo lernt man das Schießen? Im Schützenverein mit präzisen Waffen oder auf dem Paintballplatz wo die Farbkugeln schon nach zwei Meter ungenau fliegen?
  • Wie viele von den Tätern haben Paintball gespielt (keiner,einer?), wie viele waren im Schützenverein (fast alle?)?
  • Wie wurden die Taten begangen, durch Paintballmarker oder durch echte Waffen?
  • Wo ist man mehr Einzelgänger? Auf dem Paintballplatz oder in der Schießhalle?

….
Und da wundert man sich, warum so eine große Politikverdrossenheit vorherrscht. Bei dämlichem Aktionismus und dem Kuschen vor irgendwelchen Verbänden sicherlich kein Wunder. Und das ist ja nur ein Nebenthema, von dem anderen großen Thema die Tage will ich gar nicht sprechen.
Zum Abschluss noch ein provokativer Vergleich: Das Paintballspiel soll ja mit der Begründung verboten werden, dass hier mit „realen“ Waffen das „töten“ von Menschen simuliert wird. Wenn man dieser Argumentation folgt, müsste eine Sportart wie Fechten aber sofort verboten werden…

Die Sommerspiele 2008 im kurzen Rückblick

Endlich wurden also die XXIX. Olympischen Sommerspiele in Peking beendet. Gut so. Erst recht für China, denn sie müssen der Welt ja jetzt nichts mehr Vorspielen, jetzt kann alles wieder so laufen wie davor. Aber so schlecht waren die Spiele doch gar nicht. Gut, bei der Eröffnungsfeier wurde der Zuschauer durch ein aufgezeichnetes Feuerwerk verarscht erfreut, ein kleines Mädchen durfte nicht singen weil es den Veranstaltern zu hässlich war, bei den ausverkauften Wettbewerben waren die Zuschauerränge oft gähnend leer, von zig angemeldeten Demonstrationen durfte nicht eine einzige statt finden und die Medienvertreter konnte auf ein „zensiertes Internet“ zugreifen. Aber wollen wir jetzt mal nicht so kleinlich sein. Es gab auch tolle Momente seitens des Ausrichterlandes. Ähh, das ist jetzt aber doof, da will mir leider gerade absolut keiner einfallen…

Olympische Spiele 2008 – interessiert mich nicht

Heute beginnen ja bekanntlich die Olympischen Sommerspiele 2008 in Peking. Normalerweise interessiert mich das schon – diesmal aber nicht nicht. Warum? Weil es mir immer noch schleierhaft ist, wie man die Olympischen Spiele an ein Land wie China vergeben kann. An ein Land, das sich ansonsten durch Umweltverschmutzung, illegalem Kopieren von Allem, Zensur und leider nicht zuletzt durch die Verletzung von Menschenrechten, hervor tut.
Deswegen hier noch mal, als kleiner „Blog-Protest“, die Flagge der tibetanischen Exilregierung:

Es scheint keinen wirklich zu interessieren

tibet.gifHmm, normalerweise ist die sogenannte Blogsphäre eigentlich immer schnell mit irgendwelchen Solidaritätsbekundungen. Aber dass jetzt in Tibet die Menschenrechte mit Füßen getreten werden scheint wohl keinen zu interessieren. Warum? Weil’s eigentlich nichts Neues ist? Weil wir alle wissen, dass in China Worte wie „Menschenrechte“, „Demkokratie“ oder etwa „Pressefreiheit“ nicht zu existieren scheinen, dafür aber Worte wie „Unterdrückung“, „Umweltverschmutzung“, „Doping“, „Produktpiraterie“ anscheinend ganz gross geschrieben werden? Das wäre aber kein Argument. Am wenigsten verstehe ich, wie manche einen möglichen Olympia-Boykott kategorisch ausschließen. Vielleicht würde dass nicht viel bringen, schaden würde es jedenfalls nicht, denn ich bezweifle, dass z.B. der Afghanistan-Krieg in den 80er Jahren wegen des Boykotts länger gedauert hat. Ganz im Gegenteil: Der „Nicht-Boykott“ im letzten Jahrhundert einer bestimmten Olympiade war wohl definitiv schädlich. Am schlimmsten finde ich in dem Zusammenhang das Argument, dass man mit einem Boykott nur den Sportlern schaden würde. Geht’s noch? Wie sollen die Spiele denn eigentlich ablaufen? Einfach auf „Friede, Freude, Eierkuchen“ in Peking machen und den Rest drum herum einfach vergessen? Ich dachte immer, wegschauen hat noch nie was gebracht….