Lokin: Nette Idee, aber das Konzept funktioniert nicht

Lokin Mir war mal wieder bei einer längeren Zugfahrt langweilig, also habe ich ein bisschen mit dem Handy rum gespielt und mal die (relativ) neue App Lokin ausprobiert. Prinzipiell handelt es sich hierbei um eine normale „Chat-App“, die besonderheit besteht darin, dass einzelne Chaträume Zugverbindungen sind. Man wählt seine Zugverbindung aus (Fernverkehr) und schon kann man mit anderen – die im selben Zug sitzen – chatten. Soweit die Theorie. In der Praxis funktioniert dass aber praktisch nicht, meistens ist man alleine im Zugchat (zumindest nahc meiner Erfahrung). Man hat dann zwar die Möglichkeit, in „zugunabhängige“ Chaträume zu wechseln, aber auch dort befindet sich oft nur eine handvoll User. Generell wird die App sehr sehr wenig genutzt, was man am eingebauten Rankingsystem leicht erkennen kann: Je mehr man kommentiert, Beiträge verfasst oder  ‚Likes‘ bekommt, desto besser ist die Platzierung in einer Rangliste. Bereits nach ein paar Minuten bzw. ein oder zwei Beiträgen ist man schon unter den „Top 300“ – was natürlich bei einem Deutschlandweit betriebenen Chatsystem nicht sein kann – wenn es genügen User hätte… Das ist das größte, aber nicht einzige Problem. Die Bahn hat erst in den nächsten Jahren „WLAN für Alle“ in den Zügen versprochen, bis dahin ist man (wenn man nicht in manchen Zügen als Telekom-Kunde das WLAN nutzen kann) auf sein Handynetz angewiesen – und das funktioniert gerade im ICE auf den Hochgeschwindigkeitsstrecken mit vielen Tunnels eher suboptimal. Klar, dafür kann die App erstmal nichts, aber wer was dafür kann ist für den Nutzer erstmal unerheblich. Ein weiterer Kritikpunkt: Das Grundprinzip ist durchaus mal was, außer den „Chaträumen“ bietet die App aber nicht viel. Ganz nett ist die Anzeige, wie lange die Fahrt noch dauert bzw. ob der Zug Verspätung hat (hier wird auf die Daten der Bahn zurückgegriffen), vom Hocker haut das einem aber nicht. Dabei gäbe es zig Möglichkeiten die App innovativer zu machen. Hinter der App steckt übrigens der Axel-Springer-Konzern. Ob man dieses Unternehmen jetzt gut findet oder nicht: Bekanntermaßen ist das keine kleine Firma die mit ihrer geballten Medienmacht Lokin eigentlich in den Mark drücken können müsste (uhh, etwas viel Konjunktiv 😉 ). Sie versuchen es auch mit Fernsehspots und Anzeigen in den Hauseigenen Massenmedien – wie man aber sieht bisher mit sehr geringem Erfolg. Schade eigentlich, denn wie in der Überschrift schon geschrieben: Die Idee finde ich ganz nett, und deswegen gibt’s zum Schluss noch einen Gratistipp: Check-In-Pionier Foursquare hat das – bei vielen beliebte – Gamification-Element „Bürgermeister werden“ vor längerem entfernt. Nicht wenige meinen, dass das der Anfang vom Ende gewesen ist… Warum also dieses Feature nicht in die Lokin-App einbauen? Man kann in den Bahnhöfen einchecken und derjenige mit den meisten Check-Ins“ wird „Bahnhofsvorstand“. Wenn der Zug in den Bahnhöfen hält funktioniert auch das Handynetz definitiv, die Funktion ist also immer nutzbar. Die Idee ist natürlich beliebig erweiterbar: Ein Deal mit der Bahn und der „Bahnhofsvorstand“ bekommt im Zug einen Kaffee umsonst, kann die DB-Lounge nutzen usw. Und schwupps wäre die Attraktivität der App gesteigert. 😉